Fragen zur Rhesusprophylaxe

Antworten auf die häufigsten Fragen zur Rhesusprophylaxe

Ab welcher Schwangerschaftswoche (SSW) erfolgt eine Gabe von Anti-D-Immunglobulin?

Die embryonale Blutbildung beginnt in der 3. Woche p. c., wobei das Rhesus-Antigen bereits ab dem 30. bis 45. Tag p. c. voll ausgebildet ist. Fetomaternale Transfusionen wurden bereits ab der 4. Woche p. c. beobachtet. Daher muss bei allen Vorkommnissen und Eingriffen in der Schwangerschaft, die zu einem Übertritt fetaler Erythrozyten in den mütterlichen Kreislauf führen können, wie z. B. nach jeder Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie sowie ab der 6. SSW nach Zwischenblutungen, Abort, Interruptio, Extrauteringravidität, Blasenmole, Gestose mit hohen diastolischen Werten über 100 mmHg und Bauchtrauma eine Rhesusprophylaxe durchgeführt werden (Behrens et al., Seite 813 und Seite 820).

Was ist bei versehentlich unterlassener Prophylaxe zu tun?

Mit der antepartalen Prophylaxe in der 28. bis 30. SSW erreicht man einen Schutz für ungefähr 12 Wochen und damit bis zur Entbindung, so dass der Zeitraum mit dem höchsten Sensibilisierungsrisiko abgesichert ist. Dementsprechend ist es sinnvoll, die antepartale Prophylaxe jederzeit nachzuholen, wenn diese vergessen wurde. Damit kann das zum Ende der Schwangerschaft kontinuierlich steigende Sensibilisierungsrisiko noch deutlich reduziert werden.

Postpartal sollte die Prophylaxe so schnell wie möglich, spätestens aber nach 72 Stunden erfolgen. Bei irrtümlicher Unterlassung ist zu empfehlen, noch bis zu 14 Tage später zu versuchen, mit einer dreifachen Standarddosis Anti-D eine Sensibilisierung zu verhindern. Es besteht dann allerdings kein sicherer Schutz mehr, so dass immer eine Antikörperkontrolle nach 4 bis 6 Monaten erfolgen muss, um eine Sensibilisierung auszuschließen (Behrens et al., Seite 820). Im Fall einer versehentlich unterlassenen Rhesusprophylaxe ist die intravenöse Gabe von Anti-D-Immunglobulin sinnvoll (Maas 2004, Seite 41).

Wie lange hält der Schutz einer Prophylaxe an?

Die Gabe einer Standarddosis von 300 μg Anti-D-Immunglobulin bietet einen Schutz für 12 Wochen. Deshalb wird eine Wiederholung der Prophylaxe alle 12 Wochen empfohlen. So sollte zum Beispiel nach einer Chorionzottenbiopsie in der 10. SSW die Anti-D-Gabe in der 22. und 34. SSW und auch nach der Geburt eines rhesuspositiven Kindes wiederholt werden (Behrens et al., Seite 818).

Was ist bei anhaltenden Blutungen zu tun?

Die Schutzwirkung einer Standarddosis von 300 μg Anti-D-Immunglobulin hält bei erneuter oder fortbestehender feto-maternaler Transfusion für ungefähr zwei Wochen an. Nach diesem Zeitraum ist eine erneute Standarddosis indiziert (Maas 2002, Seite 86).

Ist eine Dosissteigerung bei Zwillingen nötig?

In der Literatur wird eine Erhöhung der Anti-D-Dosis nur bei wenigen Ausnahmen (wie Makrotransfusionen, z. B. bei operativen Entbindungen, Plazenta praevia, vorzeitiger und manueller Plazentalösung, Einsatz des Kristeller-Handgriffs) erwähnt, jedoch nicht bei Geminigravidität. Besteht der Verdacht einer Makrotransfusion sollte eine geeignete Testung vorgenommen werden und gegebenenfalls eine Dosisanpassung von Anti-D-Immunglobulin vorgenommen werden (Maas 2004, Seite 40).

Ist bei Schwangeren mit dem Merkmal Dweak bzw. Dpartial eine Rhesus-Prophylaxe nötig?

Bei Frauen mit dem Merkmal Dweak sind alle neun D-Epitope auf den Erythrozyten vorhanden, allerdings in geringer Häufigkeit. Sie gelten daher als Rhesus-positiv und sind von der Anti-D-Prophylaxe ausgenommen.

Das Merkmal Dpartial bedeutet dagegen, dass nicht alle D-Epitope ausgebildet sind. Je nachdem, welche Kombinationen der Epitope vorhanden sind, werden die Erythrozyten verschiedenen Kategorien zugeordnet. Da die üblichen Blutgruppentestsysteme die für eine Sensibilisierung hauptsächlich relevanten Kategorie VI-Erythrozyten nicht erkennen können, werden Dpartial-Patientinnen als rhesus-negativ eingestuft und sollen eine Rhesus-Prophylaxe erhalten (Maas 2004, Seite 37).

Wie lange nach der Anti-D-Gabe können Tests positiv ausfallen?

Die mit der Rhesusprophylaxe zugeführten Antikörper gehören zu den IgG-Immunglobulinen und sind entsprechend im peripheren Blut der behandelten Person nachweisbar. Bei über 90% der Schwangeren findet man eine Woche nach der Rhesusprophylaxe Antikörper gegen „D", die bis zu 11 Wochen persistieren können. Die Titerhöhe kann dabei Werte bis 1:16 betragen (Behrens et al., Seite 818f.).

Was passiert bei der versehentlichen Applikation von Anti-D-Immunglobulin an eine Rh-positive Person?

Durch die Gabe einer Standarddosis von 300 μg Anti-D-Immunglobulin werden ca. 25 – 30 ml Rh-positives Blut neutralisiert. Da die Blutmenge eines Erwachsenen etwa 200fach höher ist, wird nur ein sehr geringer Anteil der Rh-positiven Erythrozyten eliminiert, so dass außer einer klinisch nicht relevanten Hämolyse keine Nachteile für die Rh-positive Person zu erwarten sind. Selbst die versehentliche Gabe von Anti-D-Immunglobulin in das Neugeborene führt nicht zu einer Krankheitserscheinung. Die einzige klinische Reaktion stellt der positive Ausfall des Coombstests im Nabelschnurblut dar (Maas 2004, Seite 40).

Was versteht man unter „Augmentation"?

Bei Vorliegen eines bestimmten Verhältnisses von Antigen und Antikörpern ergibt sich eine verstärkte Sensibilisierungsreaktion. Dieses Phänomen tritt dann auf, wenn ein niedriger Antikörperspiegel mit einer größeren feto-maternalen Transfusion zusammentrifft und wurde von Bowman als „Augmentation" bezeichnet (Maas 2004, Seite 39; Behrens et al., Seite 818).

Muss die Anwendung von Anti-D-Immunglobulin dokumentiert werden?

Nach dem Transfusionsgesetz § 14 muss jede Anwendung von Blutprodukten (d.h. auch von Anti-D-Immunglobulin) dokumentiert werden. Folgende Angaben sind zu dokumentieren und 30 Jahre lang aufzubewahren: Patientenidentifikationsnummer, Chargenbezeichnung, Pharmazentralnummer und Datum und Uhrzeit der Anwendung (Maas 2002, Seite 86 bzw. Transfusionsgesetz, Stand 2009).

Bei weiteren Fragen zur Rhesusprophylaxe wenden Sie sich gerne an die wissenschaftliche Hotline von CSL Behring, Tel.: 069 305 84437

 

Quellen:

• O. Behrens, J. Schneider: Diagnostik und Therapie des M. haemolyticus fetalis, Gynäkologe, 2000: 33, Seite 812– 827
• D. Maas: Dosierung und Applikation von Immunglobulin Anti-D im Rahmen der Rhesus-Prophylaxe, ImpfDialog 2/2002, Seite 85–91
• D. Maas: Aktuelle Fragen zur Rhesus-Sensibilisierung und zur Prophylaxe mit Immunglobulin Anti-D, ImpfDialog 1/2004, Seite 35–43